
Die Kontroverse
Gerade im Bereich der Mystery-Targets wird dem Remote Viewing von Außenstehenden oft Sensationsmacherei vorgeworfen, bzw. dass man nur die Vorannahmen bzw. Wunschvorstellungen des Taskers (also des Target-Erstellers oder Projektleiters) viewt. Das soll dazu führen, dass jede Vermutung einen passenden Treffer erzeugt. Beispielsweise sollen immer dort Aliens, Geheimnisse oder zukünftige Katastrophen aufzutauchen, wo man sie vermutet. Es gibt in der Hinsicht vor allem aus dem englischsprachigen Raum Negativbeispiele, die das leider befeuerten. Beispielsweise das Hale Bopp-Debakel 1997, was Millionen Zuhörer über landesweites Radio mitbekamen, und was auch zum Heaven’s Gate-Vorfall beigetragen haben soll (man verkündete u.a. voreilig, dass der Komet einen Raumschiff-Begleiter zu haben schien). Häufig (jedoch nicht immer) stammte sowas von damals noch unerfahrenen und überschwänglichen Remote Viewern aus dem Zivilbereich.
Differenzierung durch Praxiserfahrung
Allerdings trifft Annahme, man würde nur Erwartungshaltungen viewen, zumindest in unserer Arbeit nicht zu. Denn es gibt viele Beispiele von Mystery-Targets, bei denen vorhandene Erwartungshaltungen nicht nur widerlegt wurden, sondern in eine für die Beteiligten völlig unerwartete Richtung gingen (z.B. bei einigen 411-Fällen, UFO-Targets, Ereignisaufklärungen oder alternativen Weltbildern). Die absolute Behauptung, dass man ausschließlich die Wunschvorstellungen des Taskers viewt, oder eine kollektive Erwartungshaltung, hat sich also für uns vielfach widerlegt. Sauberes Vorgehen ist hierbei allerdings Pflicht, wie ich auch schon in meinem allerersten, öffentlichen RV-Vortrag von 2011 betonte, den ich (noch tierisch nervös) auf dem 8. Remote Viewer-Kongress in Erfurt hielt.

Auch Timelines aus der deutschsprachigen Remote Viewer-Szene, die von spektakulären Vorhersagen amerikanischer Viewer abwichen und dann auch so eintrafen, gehören in diesen Bereich. Beispielsweise gab es in 2012 eine Aussage, dass Deutschland 2013 zur D-Mark zurückkehren würde. Remote Viewer aus dem deutschsprachigen Raum sahen hingegen eine (knappe) Rettung des Euros und dessen Fortbestehen nach 2013. Auch die Hale Bopp-Sache wurde 1997 von frühen, deutschsprachigen Remote Viewern anders gesehen, was sich dann auch als korrekt herausstellte.
Leider hatten solche Ergebnisse damals nicht die Publicity-Reichweite des englischsprachigen Raums. Sauberes Tasking (im Hale Bopp und Euro-Beispiel „Ort / Sache zu einer Zeit“, ohne Implikationen) ist eben genauso wichtig, wie neutrales Monitoring und gut ausgebildete Viewer, die ihr AUL-Management beherrschen. Nun kann man die Vorhersage künftiger Ereignisse natürlich verifizieren, indem man einfach den geviewten Zeitpunkt abwartet. Bei Mystery Targets ohne hartes Feedback ist es jedoch ungleich schwieriger.
Qualitätssicherung bei Mystery-Targets?
Der große Nachteil der vielen Mystery-Targets ist wie gesagt das fehlende Feedback. Hier kann man nur indirekt mit angehäufter Datendichte arbeiten, indem man z.B. viele Viewer auf das Thema viewen lässt, und die Übereinstimmungen bzw. Widersprüche vergleicht. Im Idealfall beinhaltet so ein Mystery-Projekt auch mehrere Taskings von verschiedenen Taskern, um die seltene Mögichkeit von Target-Kontamination zu reduzieren. Letzteres sollte bei korrekt ausgebildeten Taskern / Projektleitern sowieso nahezu ausgeschlossen sein. Auch Solo-Viewer könnten mit eingebunden werden, um die Gefahr von suggestivem Monitoring auszuschließen (was bei guten Ausbildungen auch nicht vorkommen sollte). Solo-Sessions sind weniger effizient, können aber durch wiederholte Sessions auf ein Target (ohne es aufzulösen) viel zusätzliche, manchmal sogar entscheidende Datendichte beitragen.

Sinnhaftigkeit von Mystery-Targets?
Nun kann man sich natürlich fragen, wie sinnvoll das Viewen von Mystery-Targets (ohne Aussicht auf hartes Feedback) überhaupt ist. Sollte man die Zeit und Energie nicht lieber in Targets investieren, die komplett verifizierbar sind bzw. jemanden voranbringen (z.B. Optima)? Ich sehe es schon seit längerer Zeit so: Mystery-Targets dienen vor allem dazu, die persönliche Neugier und den grenzwissenschaftlichen Forscherdrang zu befriedigen. Es ist quasi das, was neben der ernsthaften Remote Viewing-Arbeit noch nebenher entstehen kann, und für Auflockerung sorgt.

Wenn man es veröffentlicht (wie seit 2012 häufig im Signallinie-Blog), kommt zweifellos auch noch der Unterhaltungsfaktor hinzu, denm fast jeder liebt ein gutes Mysterium. In manchen Fällen kann es eines Tages auch zu einem unerwarteten Feedback oder Teil-Feedback kommen, was jedoch zum Zeitpunkt des Projektes nicht sicher ist (obgleich man die Wahrscheinlichkeit dafür gleich mitviewen könnte). Ganz klassisch sind hier z.B. archäologische Mystery-Targets, die vielleicht eines Tages entdeckt / ausgegraben werden, oder eben auch nicht (oder nicht mehr zu eigenen Lebzeiten). Persönlich versuche ich immer eine Balance von 2/3 (oder mehr) sinnhaften Targets, und 1/3 Mystery- bzw. Forschungstargets zu halten.
Die eigentliche RV-Arbeit
Was man außerhalb solcher Veröffentlichungen, Podcasts etc… eben nicht mitbekommt, ist die eigentliche Alltagsarbeit der Remote Viewer. Darunter vor allem das Ermitteln hilfreicher Informationen, die Auftragskunden, Freunde oder auch einem selbst weiterhelfen. Hinzu kommt die Forschungsarbeit und Datenpflege, wie man den eigenen Trainingsstand, die Ausbildungsinhalte oder die Methodik an sich verbessern kann. Gelegentlich gehört auch das Schreiben von Artikeln wie diesem hier, oder andere multimediale Veröffentlichungsformen, dazu. Natürlich ist es jedem ausgebildeten Remote Viewer selbst überlassen, wie und in welcher Gewichtung er die Methodik einsetzt. Ich bin als Ausbilder zufrieden, solange es methodisch sauber (Tasking, Monitoring, AUL-Management…) und ethisch abläuft.

Schreibe einen Kommentar