Was Remote Viewing ist, und was nicht

Das Thema bzw. der Begriff “Remote Viewing” bietet Stoff für kontroverse Diskussionen, Missverständnisse und Halbwissen. Und das nicht nur im oberflächlichen Mainstream, sondern auch innerhalb der Grenzwissen- Szene. Wird im Netz, den Medien oder Literatur der Begriff “Remote Viewing” verwendet, muss es sich nicht zwangsläufig um die etablierten Protokolle handeln, für die dieser Begriff einst gewählt wurde. Es kommt durchaus häufig vor, dass formloses Aufschreiben und Skizzieren von Eindrücken, spontanes Hellsehen, Gedankenübertragung oder gar Channeling mit Remote Viewing in einen Topf geworfen werden. Der Enthusiasmus dahinter ist gerade bei Neulingen bzw. themenfremden Interessierten verständlich, jedoch in der Regel wenig zielführend, um eine brauchbare Definiton für Remote Viewing klarzustellen.

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Die Definitionsfrage

Ich erinnere mich an eine Umfrage in der größten, internationalen Remote Viewer-Gruppe auf Facebook, die zum damaligen Zeitpunkt über 7000 Mitglieder zählte. Dort wurden die Gruppenmitglieder befragt, mit welchem RV-Protokoll sie arbeiteten. Neben den gebräuchlichen Varianten (CRV, TRV, SRV, HRVG, ERV etc…) konnte auch „Freestyle“ gewählt werden. Am Ende gaben über 80% an, Freestyle zu benutzen, was alles Mögliche abseits der etablierten RV-Protokolle sein kann. Dadurch wurde auch einiges über die Qualität der Ergebnisse bzw. das Fehlen von Inhalten in solchen Gruppen klar. Von den über 7000 Mitgliedern sind vielleicht 40-50 als tatsächlich aktiv Praktizierende tätig. Ein großer Teil davon sind die genannten Freestyler.

Man könnte jetzt unterstellen, dass die ausgebildeten Remote Viewer, die den Überbegriff “Remote Viewing” spezifisch für die etablierten Protokolle verwenden, wenig flexibel seien. Jedoch zeigt sich die Problematik von Freestyle-Techniken in den Ergebnissen: Diese sind meist mit analythischen Überlagerungen (AULs) durchsetzt, und haben dadurch mehr die Qualität von assoziierten Fantasiereisen. Man verliert sich also in Assoziationen, durch die eventuell richige Rohdaten verfälscht werden, da es im Freestyle in der Regel kein Verfahren zur Abarbeitung dieser AULs gibt. Dadurch werden die Ergebnisse zu einem großen Teil unbrauchbar oder zumindest stark mehrdeutig.

Das bedeutet nicht, dass individuelle Techniken pauschal unbrauchbar oder schlechter sind. Noch bevor die bekannte Remote Viewing-Methodik („Coordinate Remote Viewing“ und spätere Devirate) in den 1980er-Jahren fertiggestellt wurden, waren die Abläufe mehr oder weniger „Freestyle“. Der bekannte “Remote Viewer 001”, Joseph McMoneagle, nutzt ebenfalls so einen Ansatz mit eigens angepassten Abläufen. Allerdings war er schon aktiver Anwender, bevor das CRV-Protokoll fertiggestellt wurde, weshalb er seine individuelle Methodik schon zuvor entwickelte. Später behielt er diese auch bei, während neue Anwender das CRV-Protokoll lernten. In diesem Artikel geht es jedoch speziell um die Differenzierung, da wie gesagt gerade in Übersee die Tendenz besteht, sämtliche Hellseh-Techniken, die nicht unter strengen Laborbedingungen getestet und entwickelt wurden, als „Remote Viewing“ zu bezeichnen.
 

Alleinstellungsmerkmale

Verblindetes Vorgehen

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Ein Grundcharakteristikum der wissenschaftlich erarbeiteten Remote Viewing-Protokolle ist es, dass der Viewer stehts blind gegenüber dem Target sein muss. Die üblichen Varianten sind dabei Solo-Blind (der Viewer macht alleine eine Session auf ein Target aus einem Solo-Pool), Einzelblind (der Viewer wird von einem Monitor, welcher vom Target weiß, auf unsuggestive, neutrale Weise durch das Target geführt) und Doppelblind (Monitor und Viewer haben keine Kenntnis vom Target). Es gibt auch Versuche mit Semi-Frontloading (der Viewer weiß teilweise etwas über das Target, z.B. dass es darum geht, eine Person zu beschreiben) oder komplettes Frontloading (der Viewer kennt das komplette Target im Voraus). Vor allem beim Frontloading geht jedoch der größte Vorteil des Remote Viewing verloren, nämlich die Blindheit des Viewers gegenüber Vorannahmen. Viele andere, mediale Techniken werden hingegen „frontloaded“ durchgeführt.

Ideogramm-Erstellung und dessen Dekodierung

Jede Remote Viewing-Session auf Papier beginnt mit einem so genannten Ideogramm. Dabei handelt es sich um einen intuitiven „Krakel“, der mit dem schreibenden Arm reflexartig ausgeführt wird, sobald die Target-Nummer aufgeschrieben wurde. Das Ideogramm wird dann mittels eines speziellen Ablaufs in formvollendete Segmente eingeteilt und dekodiert, bei dem man zuerst das Aussehen des Linienverlaufes beschreibt (dient dazu, den wertenden und filternden Verstand beschäftigt zu halten), dann nach ersten außersinnlichen Eindrücken fühlt (meist Farben und Oberflächen), und schließlich eine erste, archetypische Schlussfolgerung zum Abschnitt des Ideogramms erstellt (wie künstlich, natürlich, Struktur, Bewegung Lebewesen etc…).

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Durch den Abbau dieses Ablaufes wird der assoziierende Verstand beschäftigt gehalten, während die Wahrnehmung erster, außersinnlicher Eindrücke in den Vordergrund gebracht wird. Dieses Wechselspiel zwischen wertendem Verstand und außersinnlicher Wahrnehmung verringert auch den inneren Zensor bzw. die Filterwirkung, welche normalerweise ein sauberes Durchkommen außersinnlicher Daten beeinträchtigt.

AUL-Management (Umgang mit analythischen Überlagerungen)

Der wohl größte Vorteil durch die etablierte Remote Viewing-Methodik ist es, dass der interpretierende, linkshirnige Verstand systematisch abgelenkt bzw. beschäftigt wird, um AUL (analythische Überlagerungen) zu vermeiden. Daraus resultierte ein in dieser Form nach wie vor einzigartiger Ablauf, der solche AULs bereits im Ansatz „entschärfen“ kann. Werden Fantasie-Schlussfolgerungen des Verstandes als AUL rausgeschrieben, können diese „entpackt“ und für den interpretierenden Verstand des Viewers neutralisiert werden. Dazu wird die AUL in die Rohdaten zerlegt, welche den Verstand des Viewers überhaupt erst zu der Interpretation verleitet haben. So können beispielsweise Eindrücke wie „grün“, „glatt“, „schimmernd“, „gewölbt“ und „oben spitz herausstehend“ rausgeschrieben werden, ohne dass der Viewer für den Rest der Session nicht mehr vom Bild eines grünen Apfels weggkommt (ein reales Praxisbeispiel):

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Fazit

Es zeigt sich also anhand der sehr spezifischen Eigenschaften dieser Methodik, dass es im Sinne der Professionalität und Präzision durchaus Sinn macht, den Begriff „Remote Viewing“ mit den etablierten Protokollen in Verbindung zu bringen, statt jegliche Art von außersinnlicher Wahrnehmung bzw. divinatorischer Technik unter diesem Begriff zu pauschalisieren. Möglicherweise wird die Entwicklung des menschlichen Geistes irgendwann dazu führen, dass solche Methodiken „transzendiert“ werden. Doch für den menschlichen Geist, wie er momentan im Allgemeinen beschaffen ist, kann man die Remote Viewing-Methodik durchaus als eine der zuverlässigsten Divinationstechniken betrachten, die uns momentan zur Verfügung steht. Dazu gehört auch der Umstand, dass es nicht viele Techniken gibt, die unter strengen Laborbedingungen entwickelt und auf die Probe gestellt wurden.

Hier nochmal die Charakteristika des Remote Viewing nach etablierter Methodik:

  • I-A-B-Ablauf (Stufe 1) zur Ablenkung des wertenden Verstandes, um neutrale, außersinnliche Daten zu generieren
  • Abarbeiten und „entschärfen“ von analythischen Überlagerungen (AUL)
  • Komplett verblindetes Vorgehen des Viewers
  • Neutrales Vorgehen oder Doppelverblindung des ggf. vorhandenen Monitors
  • Bei wichtigen Projekten, mehrere Sessions auf ein Target, mit unterschiedlichen Viewern, Monitoren und Taskern (Target-Erstellern)

Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Techniken gehört dabei zur Natur der offenen Forschung. Wenn diese dann noch durch den Willen zur Professionalität und Präzision ergänzt wird, kann im Grenzwissen viel geleistet werden. Die etablierte Remote Viewing-Methodik und das Protokoll bieten hierbei eine unschätzbare Hilfe, welche jedoch erst durch die besagte Professionalität ihr volles Potential entfalten kann.

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