
An dieser Stelle möchte ich mal einige aktuelle Gedanken zu einer Entwicklung in der Grenzwissen-Szene loswerden, die es subtil schon seit Jahrzehnten gibt, aber gerade in den letzten Jahren eine sehr starke Präsenz auf größerer Basis angenommen hat: Nämlich die Bewusstwerdung von (mutmaßlich) altem, verlorengegangenen Wissen aus früheren Zeiten, welches Jahrtausende, teilweise aber auch erst wenige Jahrhunderte zurückliegen soll.
Bewusstseinsstrom und Informationsqualität
Zum einen dürfte das durch die modernen Informationsmöglichkeiten und eine stark angewachsene Anzahl an Grenzwissen-Interessierten entstanden sein, zum anderen aber auch durch aktive Bewusstseinsprozesse, die alte Erinnerungsfragmente, oder zumindest vage Ahnungen wieder stärker an die Schwelle der Bewusstwerdung treiben. In außergewöhnlichen Fällen sogar als konkrete Inkarnationserinnerungen, meist jedoch eher als unterbewusstes, kollektives Gefühl, dass da noch irgendwas sein muss bzw. irgendwas nicht stimmt.

Diese Entwicklung ist natürlich zu begrüßen und deutete sich schon vor Jahren in unseren ersten Zukunftsprojekten an. Andererseits wird (typisch menschlich) oft erstmal völlig über die Stränge geschlagen, und jedes neue, alternative Thema unkritisch verschlungen, während zugleich die Errungenschaften der Naturwissenschaft (zumindest für die Lebensqualität und Möglichkeiten der 3D-Welt) und Aufklärung der letzten Jahrhunderte geringgeschätzt oder sogar als Irrweg / Geschichtsfälschung betrachtet werden.
Beispiel: Tartaria-Schlammflut oder Jüngere Dryas-Sintflut?
So wird beispielsweise beim Schlammflut- bzw. Tartaria-Thema ein vergessenes Zeitalter von Hochtechnologie postuliert, was jedoch erst wenige Jahrhunderte her sein soll, und durch eine Art „Reset“ völlig aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt wurde. Dazu werden oft Fotos von Weltausstellungen aus dem 19. Jahrhundert herangezogen, die angeblich vergessene Technologien und Architekturen zeigen. Aber auch Fotos von unter dem Erdniveau versunkenen Haus-Stockwerken (die sich oft als KI-Fälschungen oder falscher Kontext herausstellen). Dieses Thema tauchte vor einigen Jahren „streubombenartig“ im Netz auf (wie einige Jahre zuvor schon die Flache Erde-Theorie), kurz nachdem alternative Geschichtsforschung bzw. Bürger-Archäologie (z.B. Graham Hancock, Ben van Kerkwyk etc…) im Netz allmählich Fahrt aufnahm und hochwertigen, akribisch recherchierten Content bietet.

Unklare Herkunft und virale Verbreitung mancher Themen
Solche plötzlichen, scheinbar schon vollständig vorbereiteten Content-Reaktionen auf langsam und nachvollziehbar entstandende Wissensbereiche, kommen mir immer etwas merkwürdig vor. Vor allem wenn es dem gerade behutsam wachsenden Wissensbereich urplötzlich ein möglichst abgefahrenes, weit hergeholtes Narrativ überstülpt, welches jedoch großen Sensationscharakter (mit geringer Indizienkraft) besitzt. Geneigte Aluhüte könnten hierbei sogar eine gezielte Nebelkerze / spirituellen Fliegenfänger bzw. eine Psyops zur Ablenkung vermuten. Nüchterner betrachtet, könnte es auch einfach ein Klickbait-Geschäftsmodell mit viel KI-Slop sein, das auf einen beliebter werdenden Themen-Zug aufgesprungen ist, und sich dann viral verselbstständigt. Was immer es letztlich auch sein mag; es wird offenbar durch die Eitelkeiten („Ich habe elitäres Geheimwissen über die Welt, was die Schlafschafe nicht haben…“) und gleichzeitigen Differenzierungsmangel / Sachkenntnismangel befeuert, der in der alternativen Szene leider stark vertreten ist. Die sehr akribisch arbeitenden Content Creator aus der Thematik nehmen die Schlammflut-Theorie übrigens kaum ernst oder zur Kenntnis.
Es gibt tatsächlich einige starke Indizien, dass es einst einen Kataklymus gab, bei dem unter anderem große Fluten eine Rolle gespielt haben könnten (Überlieferungen in alten Texten und hunderten antiken und indigenen Quellen). Geologisch wird dort von einigen alternativen Forschern der Zeitraum des Jüngeren Dryas (Ende der letzten Eiszeit) in Betracht gezogen, bei dem es einen starken Meeresspiegelanstieg gab, und viel eiszeitliche Megafauna ausstarb. Eine auffällige geologische Schicht, und auch Landschaftsmerkmale (Channeled Scablands in den USA, scheinbar vom Meer durchspülte Salzflächen in der Sahara etc…) sind ebenfalls interessante Indizien. Hierbei wird jedoch von einem Zeitraum von vor über 10000 Jahren ausgegangen, weshalb dieser mögliche Kataklysmus nur durch Mythen und vage Überlieferungen (Stichwort „Atlantis“, „Arche Noah“ etc…) in Erinnerung blieb. Das erscheint mir zumindest wahrscheinlicher, als eine völlig verdrängte, technologische Hochkultur mit Weltausstellungs-Architektur des 19. Jahrhunderts, die erst vor wenigen hundert Jahren verschwunden sein soll. Es müsste nach so kurzer Zeit viel zu viele geologische, archäologische und schriftliche Hinweise geben, selbst wenn man von einem totalen Gedächtnisverlust der Menschheit ausgehen würde. Mal abgesehen von den Ernteausfällen durch eine Schlammflut, und ein dadurch bedingtes Massensterben (was nachweisbare Spuren hinterlassen müsste).

Geringschätzung von ehrenhafter Wissenschaft vs. „Bad Science“
Solche überschwänglichen, alternativen Postulate werden zugleich oft von einer Geringschätzung bzw. Ignoranz wissenschaftlicher Errungenschaften der letzten Jahrhunderte begleitet. „Bad Science“ bzw. korrupte Wissenschaft und dogmatische Paradigmenverteidigung in der Akademik, die sich in den letzten Jahren stark offenbarte (auch in der Archäologie), ist dabei natürlich nicht förderlich. Und selbstverständlich ist der Mensch auch beim naturwissenschaftlichen Materialismus durch die „Aufklärung“ über die Stränge geschlagen, und hat dem erstmal alles untergeordnet. So gab es z.B. Ende des 19. Jahrhunderts bereits die Ansicht, dass man alles über die Physik wisse („Das Atom ist der kleinstmögliche Bestandteil“ etc…), und sich weitere Forschungen dazu nicht lohnen würden… Bis Max Planck Anfang des 20. Jahrhunderts die Quantenphysik ins Spiel brachte. Heute bauen wir gigantische Teilchenbeschleuniger, und rätseln immer noch. Zumindest wenn man es ausschließlich aus dem materialistisch-reduktionistischem Weltbild heraus zu betrachten versucht.

Nicht zu dem werden, was man glaubt zu bekämpfen!
Man sieht also, dass die Kritik und Vorsicht gegenüber institutionalisierten Wissenschaftsbetrieben gerechtfertigt ist (Stichwort „Wessen Brot ich ess‘, dessen Lied ich sing…“). Was jedoch nicht automatisch die bewährten Methodiken (wie „Hypothese-Theorie-Empirik“) fehlerhaft oder minderwertig macht. Es sind Interessen und der „Faktor Mensch“, der korrumpierend wirkt. Und da muss man auch in der alternativen Szene bzw. Grenzwissen-Szene achtsam sein, nicht durch Eitelkeit / Überlegenheitsgefühl in Kombination mit Sachkenntnismangel und Feindbildern zu dem zu werden, was man glaubt zu bekämpfen. Menschliche Schwächen können eben jeden betreffen, und dagegen hilft nur stetige Selbstreflexion und Bewusstseinsarbeit.
Paradigmenwechsel und methodische Erweiterungen
Kommen die Naturwissenschaften an ihre Grenzen, bleibt entweder die dogmatische Paradigmen-Verteidigung (was Stagnation bedeutet), oder der Mut für neue Paradigmen, zu denen es gewisse Indizien gibt. Beispielsweise ein Paradigma, dass Bewusstsein fundamental sein könnte, und die Materie dem Bewusstsein nachgeordnet ist (Materie und das physische Universum als „geronnenes Bewusstsein“, wie es mal jemand ausdrückte). Dadurch können sich plötzlich neue Betrachtungsweisen eröffnen, und es scheint sich auch wieder ein Kreis mit den philosophischen und religiösen Weisheiten früherer Jahrtausende zu schließen. Der große Unterschied zu Religion und Aberglauben ist jedoch, dass Glaube an sich keine neuen, gesicherten Erkenntnisse hervorbringt. Auch im Bereich des Grenzwissens, wo naturwissenschaftliche Methoden an ihre Grenzen stoßen, ist eine methodische Gewinnung von Wissen erstrebenswert. Sonst hat man nur eine weitere (Ersatz)Religion mit modernem New Age-Anstrich, die entsprechende Klischees und Stereotypen nährt.

Was kann man also tun, um methodischen Erkenntnisgewinn zu betreiben, obwohl die naturwissenschaftlichen Möglichkeiten und Messtechnologien nicht mehr anwendbar sind („Out of the Box“-Problem)? Da bietet sich vor allem die statistische Erfassung und Auswertung von Experimentalergebnissen unter Laborbedingungen und subjektiven Erfahrungsberichten an. Dieses Vorgehen ist auch nichts Neues, denn es wurde im Prinzip schon seit über 100 Jahren in begrenztem oder verborgenen Umfang angewendet. Frühe Experimente unter strengen Bedingungen gab es schon in der Zeit des Spiritismus, wo Medien getestet wurden, um (den damals natürlich auch vorhandenen) Betrug und Bühnenmagie-Tricks auszuschließen. Dies gelang in einigen Fällen auch tatsächlich.
Was weniger bekannt ist, sind frühe PSI-Experimente, wo man z.B. versuchte, molekulare Strukturen medial wahrzunehmen und zu skizzieren. Und zwar Jahrzehnte, bevor es Instrumente gab, die deren Erscheinungsbild beschreiben konnten (was sich dann wohl auch ziemlich gut bestätigte). Aber auch typischere Experimente, wie das Beschreiben von Zeichnungen oder Fotos in Umschlägen (teils auf große Entfernungen), sollen bereits ab 1883 vorgekommen sein. Ingo Swann berichtete davon in seinem Buch „Everybody’s Guide to Natural ESP“. Letzteres Experiment könnte schon als einfacher Vorläufer der späteren Remote Viewing-Forschungen ab den frühen 1970ern unter strengsten Laborbedingungen (Stanford Institute etc…) betrachtet werden.
Subjektive Annahmen und Gewissheiten vs. „objektive“ Schnittrealität
Letztlich zeigt sich die aktuelle Grenze zwischen Naturwissenschaft und Grenzwissenschaft in der Schwierigkeit, subjektive Selbsterfahrungen in der physischen „Schnittrealität“ unseres Alltags zu objektivieren. Wir leben in einer dichten, physischen 3D-Welt, die durch scheinbar feste Gesetzmäßigkeiten („Naturgesetzte“) koheränt wirkt. Betrachtet man die physische Realität als Lern- und Erfahrungssystem für inkarnierte Bewusstseine (wie es Erkenntnisse aus dem Grenzwissen suggerieren), macht so ein gleichberechtigtes, festes „Spielfeld“ Sinn. Eine gute Analogie wäre die virtuellen Realität eines Computerspiels, ohne (offensichtliches) Cheating oder Hacks.

Die „Jeder lebt in seiner eigenen Realitätsblase“-Vereinfachung
Nun begegnet man in der spirituellen Szene immer häufiger der Einstellung, oder dem Konsens-Versuch, dass sowieso alles subjektiv ist, und quasi jeder in seiner eigenen, abgeschlossenen Realitätsblase lebt. So kann dann beispielsweise die Erde für den einen rund, für den Anderen flach sein. Das mag zur „Harmonie“ innerhalb gleichgesinnter Gruppen beitragen, doch sinnvoll für den Erkenntnisgewinn und die Co-Kreation in der physischen Schnittrealität (und eventuell darüber hinaus) erscheint es mir nicht. Dadurch verlässt man den Bereich des gemeinsamen Erkenntnisgewinns und landet im reinen Wunschdenken bzw. Glaubenssystemen (nach dem Motto „Ich identifiziere mich als Einhorn, also bin ich ein Einhorn!“). Das hat dann zumindest nichts mehr mit Grenzwissenschaft zu tun.

Wissen und Gewissheit sind eine Holschuld
An dem Punkt sehe ich auch die Unterscheidung zwischen echtem Grenzwissen und oberflächlicher Wohlfühl-Esoterik (was an sich schon die ursprüngliche Bedeutung von „Esoterik“ diskreditiert): Äußere Informationen sollten interdisziplinär und multiperspektivisch betrachtet werden. Dies setzt jedoch eine gewisse Sachkenntnis und methodische Beschäftigung in den zu ergründenden Bereichen voraus, was letztlich den Unterschied zum bequemen „einfach glauben, was mir gerade daran passt“ ausmacht. Die Extreme „Glauben oder Nicht-glauben“ sind sowieso keine gute Ausgangsbasis, weil sie von vorne herein die Denk-Grundlage für Differenzierungsvermögen blockieren. Wenn man etwas nicht weiß, muss man es nicht reflexartig in „Glauben oder Nicht-Glauben“ einordnen, sondern kann es auch in eine „neutrale Ecke“ packen. Das könnte man auch Neutralitätsprinzip nennen, und es ist eine gute Grundlage, um Informationen mit dem Attribut „Weiß ich nicht“ zu „Wahrscheinlichkeit“ bis „Gewissheit“ zu überführen. Je nachdem, wie weit man bei einem Thema methodisch kommt (grenzwissenschaftlich oder durch direkte Selbsterfahrung), oder wie relevant es überhaupt für einen ist, um Energie darin zu investieren.
Analytische Überlagerungen (AUL) als Praxisübung
Letztlich ist es immer sinnvoll, unverifizierte oder zu lückenhafte Information neutral bzw. wertungsfrei zu betrachten, statt es direkt in eine Schublade einordnen zu wollen. Im Remote Viewing veranschaulicht der Umgang mit analytischen Überlagerungen (AUL) dieses Prinzip sehr gut. Es ist auch ein hervorragendes Praxis-Training, um Neutralität und Differenzierungsvermögen zu verinnerlichen. Im Laufe der Jahre bekam ich einige Rückmeldungen von Trainees, denen das AUL-Management nicht nur bei der Sauberkeit außersinnlicher Rohdaten geholfen hat, sondern auch im alltäglichen Leben. Sie sprangen nicht mehr sofort reflexartig ins Urteilen bzw. Schubladendenken, sondern gewöhnten sich daran, die Dinge neutraler und multiperspektivischer zu betrachten, bis sie genügend Datendichte und „Qualifier“ gesammelt haben, um sich ein umfassenderes Bild zu machen. Zwei schöne AUL-Praxisbeispiele für eine vorschnelle Beurteilung von wenigen Rohdaten:


Abschließende Überlegungen
Dies sollen nun einige aktuelle Gedanken zu Differenzierungsvermögen, Informationsqualität, Methodik und sich (wieder)offenbarendem Wissen gewesen sein. Dass ich die Schlammflut-Thematik und das Flache Erde-Thema als Negativ-Beispiele angeschnitten habe, wird natürlich nicht jedem gefallen. Allerdings habe ich mich mit beidem hoffentlich gut genug beschäftigt, dass meine Argumente nicht rein dogmatisch sind. Vielleicht bekomme ich auch noch andere Perspektiven dazu aufgezeigt, aber momentan ist das der Stand meines Wissens, welches sich durch Wissenschaftsverständnis, Abwägung der Informationen, physischen und außersinnlichen Selbsterfahrungen gebildet hat. Auch wenn dadurch kein absoluter Konsens mit jedem Leser erreichbar ist, hoffe ich dass die Kernüberlegungen klar vermittelt wurden. Qualitätssicherung im Grenzwissen liegt mir am Herzen, und ist nötiger als je zuvor.


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